Energieprojekte scheitern nicht an Technik: Warum die Reihenfolge von Entscheidungen über Wirtschaftlichkeit entscheidet
Viele Unternehmen investieren in Energie und merken erst Jahre später, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Anlage läuft, der Anbieter war seriös, die Technik ist einwandfrei. Und trotzdem bleibt das Projekt wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurück. In dieser Folge von 24 Geschichten erklärt Lukas Lorenzen, warum Energieprojekte nicht an Technik scheitern, und was stattdessen den Unterschied macht.
Der häufigste Fehler: Einzelteile statt System
Lukas Lorenzen arbeitet als Energy Systems Architect. Er strukturiert komplexe Energieprojekte so, dass die Entscheidungen dahinter robust, umsetzbar und wirtschaftlich tragfähig sind, bevor auch nur ein Euro investiert wird. Was er dabei immer wieder sieht, ist dasselbe Muster.
Der häufigste Denkfehler ist, dass Unternehmen einzelne Maßnahmen optimieren, aber nicht das System. Photovoltaik ohne Lastprofil, Speicher ohne Strategie, Wärmepumpen ohne optimierten Bedarf. Jede Entscheidung für sich genommen ist erstmal sehr logisch. Die Probleme entstehen im Zusammenspiel.“
Lukas Lorenzen
Wer drei Angebote für eine PV-Anlage einholt, bekommt drei Varianten derselben Lösung. Was er nicht bekommt, ist die Einschätzung, ob Photovoltaik in dieser Form überhaupt den größten Hebel hat, und ob diese Investition spätere Entscheidungen ermöglicht oder blockiert.
Erst der Architekturplan, dann die Technologie
Lorenzens Ansatz dreht den üblichen Ablauf um. Sein Framework Architecture-to-Execution, kurz A2E, stellt die Systemfrage vor die Technologiefrage: Wie soll dieses System in 5, 10, 15 Jahren funktionieren? Daraus entsteht ein Architekturplan, der zeigt, welche Infrastruktur wirklich gebraucht wird, welche Investitionen sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden sollten.
Diese Reihenfolge ist entscheidend. In einem Projekt in Niederösterreich führte genau dieser Ansatz zu einer Amortisationszeit von unter zehn Jahren bei einer Anlagenlebensdauer von rund 25 Jahren.
Der Hebel war nicht die Technologie selbst. Der Hebel war die Systemperspektive.“
Lukas Lorenzen

Energieautonomie als Wettbewerbsfrage
Europäische Industrieunternehmen zahlen heute im Schnitt mehr als doppelt so viel für Strom wie ihre Mitbewerber in Asien oder den USA. Für viele Betriebe ist das längst keine Energiefrage mehr, sondern eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Lorenzen stellt klar, dass es dabei nicht um Autarkie geht, sondern um Resilienz: Wer weniger Energie von außen importiert, wird von Preisschwankungen am externen Markt deutlich weniger getroffen.
Drei Tipps, die du sofort umsetzen kannst
Lukas Lorenzen gibt am Ende der Folge drei konkrete Schritte mit, die jeder angehen kann, der gerade ein Energieprojekt plant oder bereits mittendrin steckt.
- Achte auf die Reihenfolge deiner Investitionen, denn genau dort entscheidet sich, ob ein Projekt nur funktioniert oder sich wirtschaftlich wirklich rechnet.
- Kläre das Problem, bevor du eine Technologie auswählst.
- Betrachte Energie als System, nicht als Einzelmaßnahme, denn jede Entscheidung beeinflusst die nächste.
Zur Person
Lukas Lorenzen ist Energy Systems Architect und Gründer von Concept2Impact. Er arbeitet mit Kommunen, Industriebetrieben und Energiegemeinschaften, die vor komplexen Energieentscheidungen stehen, und entwickelt mit seinem A2E-Framework Systemarchitekturen, die Technik, Wirtschaftlichkeit und Stakeholder-Interessen in einem gemeinsamen Entscheidungsraum zusammenbringen.
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/lorenzen-lukas/

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