16.12. – Petra Kohles

Podcast Logo mit Petra Kohles von der Wiener Wirtschaftsagentur

Förderungen nutzen statt fürchten – wie die Wirtschaftsagentur Wien Start-ups stärkt

Im Podcast spricht Showhost Sascha Ladurner mit Petra Kohles, Teamleiterin in den Start-up-Services der Wirtschaftsagentur Wien. Sie erklärt, warum Förderungen gerade am Anfang entscheidend sind, wie Wien Unternehmen begleitet und welche Rolle Nachhaltigkeit und Diversität bei der Vergabe spielen.

Wer das Gespräch im Original hören möchte, kann die komplette Podcastfolge direkt hier im Player anhören:

Snapshot aus dem Interview mit Petra Kohles

Warum Förderungen in der Frühphase den Unterschied machen

Sascha Ladurner lässt sich von Petra Kohles erklären, weshalb Förderungen mehr sind als ein nettes Extra. In der frühen Phase entwickeln Unternehmen Produkte, testen Geschäftsmodelle und haben meist noch keine Umsätze. Genau hier setzen die Förderprogramme der Wirtschaftsagentur an – für Wiener Unternehmen von der Gründung bis in die ersten Wachstumsjahre.

Alle Programme folgen dem Grundsatz „Do no significant harm“: Gefördert wird nur, was Umwelt, Stadt oder Gesellschaft nicht schadet sondern idealerweise positiv wirkt.

Portrait von Petra Kohles
©Wirtschaftsagentur Wien_Karin Hackl

Gerade in der Anfangsphase ist eine Anschubfinanzierung irrsinnig wichtig – und eine Förderung kann hier ein Baustein sein.“

Nachhaltigkeit, Diversität und Female Founders

Im Gespräch mit Sascha Ladurner macht Petra Kohles deutlich, wie stark Nachhaltigkeit und Diversität inzwischen in die Bewertung einfließen. In jedem Antrag fragt die Wirtschaftsagentur nach ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen – von Ressourcenverbrauch über Lieferketten bis zu sozialen Effekten. Unternehmen sollen ihre Prozesse so aufsetzen, dass sie langfristig wirtschaften können, ohne auf Kosten kommender Generationen zu arbeiten.

Ein zweiter Fixpunkt ist Diversität. Teams werden nicht nur nach fachlichen Skills beurteilt, sondern auch danach, wie vielfältig sie zusammengesetzt sind – etwa bei Geschlecht, Herkunft oder Erfahrung. Studien zeigen, dass diverse Teams bessere Entscheidungen treffen. Gleichzeitig ist klar: Frauen bekommen noch immer seltener Risikokapital.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, gerade Gründerinnen zu ermutigen und mit Programmen wie dem Founders Lab oder der Frauenwoche sichtbar zu machen, dass sie nicht alleine sind.“

Dazu gibt es ein eigenes Frauenservice, Inkubationsprogramme und Vernetzungsformate für Female Founders – mit dem Ziel, Frauen stärker in die Start-up-Szene hineinzuholen und gemischte Teams zu fördern.

Lehrerfortbildung, Jugendprojekte und die Rolle der Unternehmerinnen und Unternehmer

Stephan Blahut fragt, wie dieser Unternehmergeist konkret in die Klassen kommt. Johannes Lindner betont, dass Lehrkräfte der Schlüssel sind. IFTE entwickelt deshalb Materialien, Experimente und Spiele und stellt sie bewusst offen zur Verfügung – mit Creative-Commons-Lizenzen und speziell zugeschnittenen Webseiten für Volksschule, Mittelschule und Oberstufe. Plattformen wie wirtschaftsspiel.at oder youthstart.eu bieten Unterrichtsbausteine in mehreren Sprachen, von einfachen Übungen bis zu kompletten Projektformaten.

Parallel dazu gibt es ein dichtes Netz an Fortbildungen, gemeinsam mit Pädagogischen Hochschulen in mehreren Bundesländern. Dort lernen Lehrkräfte, wie sie Entrepreneurship-Elemente in ihren Unterricht integrieren können – fachlich und didaktisch.

Vom Fördercockpit bis zur Auszahlung

Sascha Ladurner fragt nach, wie ein typischer Weg zur Förderung aussieht. Petra Kohles beschreibt das „Fördercockpit“, die Online-Plattform der Wirtschaftsagentur. Dort legen Unternehmen ihr Projekt an, definieren Arbeitspakete und stellen eine Finanzplanung zusammen. Danach folgen formale Prüfungen und Bewertungen durch interne und externe Jurys. Alle Beteiligten absolvieren Bias-Schulungen, um unbewusste Vorurteile zu erkennen und zu reduzieren.

Ein wichtiger Tipp von Petra Kohles: frühzeitig Beratung nutzen. Die Wirtschaftsagentur bietet Informationsveranstaltungen, telefonische Beratung und Workshops, die den Prozess verständlich machen. Entscheidend ist, den Antrag klar zu formulieren – so, dass ihn auch jemand außerhalb der eigenen Branche versteht.

Es gibt Förderungen, es gibt Beratung – man ist nicht allein. Wichtig ist, ins Tun zu kommen und sich Unterstützung zu holen.“

Zuschuss statt Kredit – und ein Wunsch ans Christkind

Zum Schluss spricht Sascha Ladurner mit Petra Kohles darüber, was eine Förderung eigentlich ist. Die Programme der Wirtschaftsagentur sind nicht rückzahlbare Zuschüsse. Unternehmen müssen einen Eigenanteil tragen, können diesen aber über Kredite oder andere Finanzierungen abdecken. Die Förderquote liegt oft zwischen 50 und 80 Prozent der Projektkosten und bleibt im Unternehmen, wenn das Projekt korrekt umgesetzt und abgerechnet wird.

Petra Kohles versteht, dass Bürokratie abschrecken kann. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass es sich um öffentliches Geld handelt, das verantwortungsvoll vergeben werden muss. Wer Förderungen beantragt, verpflichtet sich daher zu sauberer Projektdefinition, transparenter Kostenaufstellung und lückenloser Dokumentation. Auf die Abschlussfrage nach einem Wunsch ans „Christkind der Wirtschaft“ antwortet sie mit einem klaren Bild: mehr Kooperation statt Konkurrenz. Unternehmen, Förderstellen und das Wiener Ökosystem sollen noch stärker zusammenarbeiten, sich austauschen und gemeinsam an einer liebens- und lebenswerten Stadt Wien weiterbauen.

Das ganze Gespräch können Sie auch gleich hier nachhören:

Weiterführende Links zum Thema:

Showhost Sascha Ladurner taucht mit Petra Kohles, Teamleiterin in den Startup Services der Wirtschaftsagentur Wien, tief in das Thema Förderungen ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Förderungen gerade für junge Unternehmen und Start-ups so wichtig sind – und weshalb viele Betriebe trotzdem davor zurückschrecken.

Petra Kohles erklärt, wie Zuschüsse in der frühen Phase dabei helfen, Produktentwicklung und erste Schritte am Markt zu finanzieren, lange bevor stabile Umsätze vorhanden sind. Die Wirtschaftsagentur Wien bietet dafür ein breites Portfolio aus rund 20 Programmen, vom Gründungsstipendium bis zu innovationsgetriebenen Projektförderungen. Entscheidend ist dabei immer: Das Projekt soll positiv auf den Standort wirken – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich.

Ein großer Block im Gespräch ist das Thema Nachhaltigkeit und Diversität. Förderungen orientieren sich am Credo „Do no significant harm“: Es wird nichts unterstützt, was Umwelt oder Gesellschaft schadet. Gleichzeitig schaut die Wirtschaftsagentur genau hin, ob Teams divers aufgestellt sind – etwa in Bezug auf Geschlecht, Herkunft oder berufliche Hintergründe. Denn Studien zeigen, dass diverse Teams besser performen, während weibliche Gründerinnen nach wie vor deutlich schlechtere Chancen auf Finanzierung haben. Eigene Programme, Inkubationsangebote und Formate speziell für Frauen sollen hier gegensteuern.

Daneben geht es sehr konkret um den Weg zum Antrag: Über das Fördercockpit reichen Unternehmen ihre Projekte ein, müssen Arbeitspakete klar beschreiben und eine nachvollziehbare Finanzplanung hinterlegen. Interne und externe Jurys bewerten die Anträge, alle Beteiligten absolvieren Bias-Schulungen, um persönliche Vorurteile zu erkennen und aus der Bewertung herauszuhalten. Wer sich gut vorbereitet, Richtlinien liest und frühzeitig Beratung in Anspruch nimmt, erhöht seine Chancen deutlich.

Petra Kohles betont, dass Förderungen immer nicht rückzahlbare Zuschüsse sind, die im Unternehmen bleiben – bei typischen Förderquoten von rund 50 bis 80 Prozent, ergänzt um Eigenmittel oder andere Finanzierungsformen. Der Aufwand ist also nicht Selbstzweck, sondern eine Investition in die eigene Zukunft. Und selbst wenn ein Antrag einmal abgelehnt wird, sind Feedbackgespräche wertvoll, um beim nächsten Versuch besser zu werden.

Zum Schluss richtet sie einen klaren Appell an Unternehmen: Förderungen sind kein Buch mit sieben Siegeln. Wer Schritt für Schritt vorgeht, sich informiert, Workshops nutzt und den Austausch mit anderen Gründer:innen sucht, merkt schnell, dass er nicht alleine ist. Kooperation statt Konkurrenz, Unterstützung nutzen und gemeinsam an einer liebens- und lebenswerten Stadt Wien arbeiten – das ist die Einladung dieser Folge. 

Keypoints 

  • Förderungen schließen Finanzierungslücken in frühen Phasen von Gründung und Wachstum und bleiben als Zuschüsse im Unternehmen.
  • Nachhaltigkeit und Diversität sind zentrale Bewertungskriterien – Projekte sollen Umwelt und Gesellschaft nicht schädigen, diverse Teams werden positiv gesehen.
  • Anträge laufen über das Fördercockpit, mit klaren Anforderungen an Projektbeschreibung und Finanzplanung; Bias-Schulungen sollen faire Entscheidungen sichern.
  • Gute Vorbereitung, das Lesen der Richtlinien und frühe Beratungen erhöhen die Erfolgschancen deutlich – und helfen, typische Fehler zu vermeiden.
  • Förderungen sind Lernchance und Wachstumsturbo zugleich; wer Unterstützung und Vernetzung nutzt, stärkt nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch den Standort Wien.

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Der Song zum Podcast ist „Don’t stop me now“ von Queen

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Der Podcast wird produziert von der Agentur Quickdraw Podcasts

Diese Podcastserie entsteht mit Unterstützung des ÖGV – Österreichischer Gewerbeverein

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