14.12. – Anna Kleissner & Peter Voithofer

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Resilienz als Standortfaktor – wie Österreich krisenfitter werden kann

Host Sascha Ladurner spricht mit Anna Kleissner und Peter Voithofer, zwei Wirtschaftsforschenden, die eine groß angelegte Studie zur unternehmerischen Resilienz in Österreich durchgeführt haben.

Gemeinsam erklären sie, was Unternehmen und Regionen widerstandsfähig macht, warum Krisen zum Lernfeld werden können und welche Rolle Politik, Daten und Mut zur Veränderung spielen.

Anhören können Sie das ganze Gespräch gleich hier:

Was Resilienz im Unternehmertum bedeutet

Sascha Ladurner eröffnet das Gespräch mit der Frage, was unternehmerische Resilienz überhaupt ist. Laut Peter Voithofer geht es um Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft – also darum, wie Unternehmen auf unvorhergesehene Krisen reagieren und daraus gestärkt hervorgehen können.

Er verweist auf eine Studie aus der Covid-Zeit, die erstmals einen „Resilienzindex“ erstellt hat. Das Ergebnis: Der Durchschnittswert der befragten österreichischen KMU lag bei nur 46 von 100 Punkten – also deutlich unter dem, was für nachhaltige Krisenfestigkeit nötig wäre.

Portrait Peter Voithofer
@feelimage / Matern

Resilienz bedeutet, vorbereitet zu sein – finanziell, organisatorisch und menschlich. Und das muss Teil der Strategie sein, nicht nur Reaktion auf Krisen.“

Peter Voithofer

Resiliente Unternehmen zeichnen sich laut Voithofer durch solide Eigenkapitalquoten, Lernbereitschaft, offene Kommunikation und laufende Weiterbildung aus – auch für Unternehmerinnen und Unternehmer selbst. Besonders wichtig: ein partizipativer Führungsstil, der Mitarbeitende einbindet und Innovation ermöglicht.

Regionen, Daten und die Macht der Vielfalt

Anna Kleissner nimmt im Gespräch die volkswirtschaftliche Perspektive ein. Sie beobachtet, dass sich regionale Strukturen sehr unterschiedlich entwickeln – selbst, wenn sie ähnliche Ausgangsbedingungen haben.

Wirtschaftlich widerstandsfähige Regionen sind meist heterogen aufgestellt. Wenn verschiedene Branchen miteinander vernetzt sind, können sie Krisen besser abfedern. Monostrukturen dagegen – etwa Regionen, die stark von einer einzelnen Industrie abhängen – brechen bei Branchenschocks schnell ein.

Portrait von Anna Kleissner
©Daniel Waschnig Photography

Resiliente Regionen sind wie Netzwerke – je vielfältiger sie sind, desto besser können sie Schocks ausgleichen.“

Anna Kleissner

Sie plädiert dafür, wirtschaftliche Cluster über Bundesländer- und Staatsgrenzen hinweg zu denken. Die Realität sei längst global, doch politische und statistische Systeme seien oft zu kleinteilig, um diese Dynamik abzubilden. Ein Beispiel: Daten werden meist entlang politischer Grenzen erhoben, wodurch Unterschiede zwischen funktionalen Regionen verwischt werden. Dadurch gehen wertvolle Erkenntnisse über funktionierende Netzwerke verloren.

Warum Lernen wichtiger ist als Krisenmanagement

Im weiteren Gespräch mit Sascha Ladurner wird klar: Resilienz ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Für Unternehmen wie Volkswirtschaften bedeutet das, regelmäßig zu reflektieren, was in Krisen funktioniert hat – und dieses Wissen in Strategien zu übersetzen.

Voithofer betont, dass Unternehmen, die bewusst an ihrer Krisenfitness arbeiten, nicht nur überleben, sondern langfristig an Wert gewinnen. Wer Widerstandskraft und Zukunftsorientierung nachweisen kann, erzielt bei einer Nachfolge oder einem Verkauf einen höheren Unternehmenswert.

Kleissner ergänzt, dass auch Staaten und Regionen lernen müssen, Politik langfristiger auszurichten. Kurzsichtige Förderpolitik, die vor allem auf schnelle Effekte oder Wahlzyklen reagiert, schwächt strukturell. Nachhaltige Investitionen – in Bildung, Infrastruktur, Digitalisierung – seien entscheidend, um auf zukünftige Schocks vorbereitet zu sein.

Österreichs Potenzial – und die Rolle der neuen Unternehmergeneration

Am Ende des Gesprächs wagt Sascha Ladurner den Blick nach vorn: Wo steht Österreich in zehn Jahren, wenn man diesen Resilienzindex wieder misst?

Peter Voithofer ist vorsichtig optimistisch: Wenn Betriebe in Digitalisierung, Weiterbildung und Innovationsfähigkeit investieren, könnte sich der Durchschnittswert deutlich verbessern – vielleicht auf 60 von 100 Punkten.

Anna Kleissner ergänzt, dass Österreich wirtschaftlich und gesellschaftlich viele Stärken habe: ein stabiler Mittelstand, gut ausgebildete Fachkräfte und eine wachsende Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern, die intrinsisch motiviert und zukunftsorientiert denken. Die Herausforderung sei, diesen Unternehmergeist mit politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbinden, die langfristig Stabilität und Offenheit fördern.

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