15.12. – Johannes Lindner

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Unternehmergeist lernen – warum Österreichs Zukunft heute im Klassenzimmer beginnt

Im Podcast „24 Tage, 24 Menschen, 24 Geschichten“ spricht Showhost Stephan Blahut mit Johannes Lindner. Der Lehrer und Bildungsunternehmer hat vor 25 Jahren das „Institute for Teaching Entrepreneurship“ (IFTE) gegründet und prägt seither, wie Kinder und Jugendliche in Österreich unternehmerisches Denken lernen – von der Volksschule bis zur Matura. Gemeinsam sprechen die beiden darüber, warum Entrepreneurship Education mehr ist als „Wirtschaftskunde“, wie sie in den Lehrplänen verankert wurde und was es braucht, damit junge Menschen ihre Ideen wirklich umsetzen können.

Wer alle Hintergründe, Beispiele und Geschichten aus erster Hand hören möchte, kann die komplette Podcastfolge gleich hier anhören:

Vom Handelslehrer zum Architekten der Entrepreneurship Education

Stephan Blahut führt durch den Weg von Johannes Lindner: ausgebildeter Lehrer für Betriebs- und Volkswirtschaft, viele Jahre im Unterricht, und gleichzeitig jemand, der früh gemerkt hat, dass „Unternehmergeist“ in der Schule zu wenig Platz hat. Ende der 1990er-Jahre startet er IFTE als Initiative an berufsbildenden Schulen – dort, wo in Österreich rund 80 Prozent der 15- bis 19-Jährigen lernen.

Zunächst geht es um einen Modellversuch von 2000 bis 2007: mit normalen Lehrplänen, aber maximal viel Raum für Entrepreneurship und Potenzialstärkung. Später folgen weitere Entwicklungsschritte – etwa der Sprung in die Volksschulen und die Unterstufe ab 2014, mit Programmen wie „Jedes Kind stärken“ in der Primarstufe und „Jugend stärken“ in der Sekundarstufe 1. Heute arbeitet IFTE mit einem evidenzbasierten Zugang: Projekte werden wissenschaftlich begleitet, um zu zeigen, wann und wie Entrepreneurship Education tatsächlich wirkt.

Portrait von Johannes Lindner vom Ifte

Entrepreneure, das sind Menschen, die neue Ideen mit Wert schaffen für sich selber und für die Gesellschaft.“

Johannes Lindner

Entrepreneurship im Lehrplan – Ideen entwickeln, umsetzen, Verantwortung übernehmen

Im Gespräch mit Stephan Blahut erklärt Johannes Lindner, wie Entrepreneurship Education ihren Weg in Österreichs Lehrpläne gefunden hat. In der Oberstufe gibt es heute rund 600 Lehrpläne – von kaufmännischen Schulen und HTLs bis zu Gymnasien und Berufsschulen. Schritt für Schritt wurden dort Bausteine unternehmerischen Denkens verankert, zuerst an den kaufmännischen Schulen, später an humanberuflichen Schulen, HTLs und AHS.

In Primarstufe und Sekundarstufe 1 ist der Ansatz breiter: Es geht nicht nur um Wirtschaft, sondern um Selbstwirksamkeit, Kreativität und gesellschaftliche Teilhabe. Kinder sollen ihre Stärken kennen, achtsam mit sich umgehen, Ideen entwickeln und lernen, wie man daraus Projekte macht – bis hin zu Markttagen oder „Changemaker“-Aktionen in Kooperation mit Universitäten.

Lindner strukturiert Entrepreneurship Education in drei Ebenen:

  • Eigene Ideen entwickeln und umsetzen – inklusive der dazu nötigen Fertigkeiten.
  • Jugendliche ermutigen und stärken – Selbstwirksamkeit, Optimismus, Verantwortungsgefühl.
  • Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen – etwa durch Ehrenamt, Debattenkultur und Projekte mit Nutzen für andere.
Snapshot aus Interview mit Johannes Lindner

Alle Entrepreneure der Zukunft sitzen jetzt gerade in der Schule. Die Art und Weise, wie wir mit ihnen lernen, wird entscheidend sein, wie unsere Gesellschaft in Zukunft ausschaut.“

So findet Entrepreneurship heute Platz in vielen Fächern: von Geschichte („Wie kann ich selbst Geschichte schreiben?“) über Sprachen bis zu Wirtschaft. In der Sekundarstufe 1 haben laut Lindner bereits 17 Unterrichtsfächer Entrepreneurship-Elemente aufgenommen.

Lehrerfortbildung, Jugendprojekte und die Rolle der Unternehmerinnen und Unternehmer

Stephan Blahut fragt, wie dieser Unternehmergeist konkret in die Klassen kommt. Johannes Lindner betont, dass Lehrkräfte der Schlüssel sind. IFTE entwickelt deshalb Materialien, Experimente und Spiele und stellt sie bewusst offen zur Verfügung – mit Creative-Commons-Lizenzen und speziell zugeschnittenen Webseiten für Volksschule, Mittelschule und Oberstufe. Plattformen wie wirtschaftsspiel.at oder youthstart.eu bieten Unterrichtsbausteine in mehreren Sprachen, von einfachen Übungen bis zu kompletten Projektformaten.

Parallel dazu gibt es ein dichtes Netz an Fortbildungen, gemeinsam mit Pädagogischen Hochschulen in mehreren Bundesländern. Dort lernen Lehrkräfte, wie sie Entrepreneurship-Elemente in ihren Unterricht integrieren können – fachlich und didaktisch.

Die Ideen der Kinder und Jugendlichen müssen ernst genommen werden

Ein weiterer Schwerpunkt sind Formate, bei denen Jugendliche direkt mit der Wirtschaft in Kontakt kommen. Stephan Blahut und Johannes Lindner sprechen über Wettbewerbe wie den „Next Generation Award“, die Youth Entrepreneurship Woche oder den Mini-Inkubator „Young Entrepreneur Program Austria“. Unternehmerinnen und Unternehmer treten als Sparringpartner, Coaches oder Mentorinnen auf – und helfen Teams, aus einer ersten Idee einen tragfähigen Prototyp zu entwickeln.

Ein Beispiel ist das Projekt „Night Saver“, entwickelt von Jugendlichen als Reaktion auf einen K.-o.-Tropfen-Vorfall im eigenen Umfeld. Aus der Idee wurde ein mehrfach patentiertes Produkt, das heute am Markt ist – und gleichzeitig als Fallstudie im Unterricht dient.

Zum Schluss kommt Stephan Blahut auf die Frage nach der nächsten Etappe. Johannes Lindner verweist auf die „Landkarte 2030“, den nationalen Aktionsplan für Entrepreneurship Education. Ziele sind unter anderem: mehr Volksschulen zu erreichen (in Salzburg sind es bereits rund 80 Prozent), die Youth Entrepreneurship Woche als Selbstverständlichkeit zu etablieren und erfolgreiche Schülerprojekte stärker sichtbar zu machen – als Rollenvorbilder für andere Jugendliche.

Das ganze Gespräch können Sie auch gleich hier nachhören:

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Der Song zum Podcast ist „Guten tag liebes Glück“ von Max Raabe und dem Palastorchester

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Der Podcast wird produziert von der Agentur Quickdraw Podcasts

Diese Podcastserie entsteht mit Unterstützung des ÖGV – Österreichischer Gewerbeverein

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