Warum Menschen Unternehmen verlassen – und nicht umgekehrt
Im Podcast „24 Tage, 24 Menschen, 24 Geschichten“ spricht Showhost Sascha Ladurner mit Heidi Berl. Sie ist Senior Talent Acquisition Consultant und Geschäftsführerin bei Atos HR Solutions und beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, wie Unternehmen passende Mitarbeitende finden – und warum sie sie oft genauso schnell wieder verlieren. Kernthemen des Gesprächs sind Kommunikation, Führung, Fachkräftemangel und Wertschätzung.
Die gesamte Folge können Sie gleich hier anhören:
Wer ist Heidi Berl – und worum geht es in ihrem Alltag?
Sascha Ladurner stellt Heidi Berl als HR-Expertin mit Hybridrolle vor: Sie verantwortet die Talentgewinnung und führt gleichzeitig das Unternehmen Atos HR Solutions. Ihr Fokus liegt auf White-Collar-Positionen, vor allem im IT- und Sales-Bereich.
Sie beschreibt Recruiting als Kernaufgabe, nicht als Nebenjob: passende Profile aufspüren, Menschen ansprechen, Interviews führen, Teams verstehen und Entscheidungen vorbereiten. Ziel ist nicht Masse, sondern Passung – fachlich und menschlich. Genau dort erlebt sie die größten Brüche zwischen Anspruch und Realität.
Kommunikation – die unterschätzte Schwachstelle im Recruiting
Auf die Einstiegsfrage von Sascha Ladurner, ob gutes Personal wirklich „schwer zu finden“ sei, antwortet Heidi Berl differenziert. Fachkräfte seien knapp, vor allem in IT und Technik. Aber ein großer Teil des Problems liege in der Art, wie Unternehmen und Bewerbende miteinander kommunizieren.
Stellenanzeigen seien oft zu unklar: Aufgaben, Erwartungen und Arbeitsalltag würden nicht präzise beschrieben. Kandidatinnen und Kandidaten entscheiden sich dann für jene Ausschreibungen, in denen sie sich schnell wiederfinden – alle anderen bleiben liegen.
Noch häufiger erlebt sie Kommunikationsprobleme im Inneren: Fachabteilung und HR haben unterschiedliche Vorstellungen von der gesuchten Person. Erst im gemeinsamen Gespräch mit ihr wird sichtbar, dass eigentlich zwei verschiedene Profile im Raum stehen. Solange diese Diskrepanz nicht geklärt ist, könne niemand „der perfekte Match“ sein.
Wie in jedem Beziehungsumfeld bringt gute Kommunikation gute Erfolge.“

Fachkräftemangel, Sprache und der Blick auf Potenzial
Im Gespräch mit Sascha Ladurner macht Heidi Berl deutlich, dass Fachkräftemangel nicht heißt, dass es keine Menschen gibt – sondern oft, dass Kompetenzen und Anforderungen nicht zusammenfinden. In der IT etwa gebe es viele sehr gut ausgebildete Fachkräfte, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
Viele Unternehmen seien darauf aber strukturell nicht vorbereitet: Prozesse, Dokumentation und interne Kommunikation sind auf Deutsch ausgelegt. Wer sich hier nicht für Englisch als Arbeitssprache öffnet, schließt einen großen Teil des Bewerbermarkts aus.
Gleichzeitig plädiert sie dafür, stärker auf Potenzial zu schauen: Was kann jemand lernen, wohin kann sich eine Person entwickeln? Das gilt besonders für zwei Gruppen, die ihrer Erfahrung nach oft unterschätzt werden: gut ausgebildete Mütter, die Teilzeit arbeiten wollen, und Menschen ab 50.
Menschen in verschiedenen Lebensphasen haben nicht weniger Stärken, sondern andere – entscheidend ist die richtige Kombination im Team.“
Gute Führung als wichtigster Haltefaktor
Als Sascha Ladurner danach fragt, warum Menschen Unternehmen verlassen, kommt Heidi Berl schnell auf den Punkt: Der häufigste Grund ist nicht die Aufgabe, sondern die Führungskraft. Schlechte Kommunikation, fehlende Wertschätzung und ungelöste Konflikte seien die Klassiker.
Sie beobachtet, dass viele Firmen noch nach dem alten Muster befördern: Wer fachlich sehr gut ist, wird Führungskraft. Damit verliert das Unternehmen oft eine exzellente Fachperson und gewinnt eine unerfahrene Führungskraft – ohne zu prüfen, ob diese Person wirklich führen will und kann. HR sei bei diesen Besetzungen erstaunlich oft gar nicht eingebunden.
In ihren Interviews fragt Heidi Berl systematisch, was Kandidatinnen und Kandidaten bei einer neuen Stelle wirklich suchen. Am häufigsten hört sie das Wort „Wertschätzung“ – noch vor Gehalt oder Karrierechancen. Genau daran scheiterten viele Betriebe, obwohl es scheinbar naheliegend ist.
Recruiting bleibt Beziehungsarbeit – heute und in Zukunft
Zum Schluss interessiert Sascha Ladurner, wie viel digitales Matching und wie viel persönliche Ansprache Recruiting in Zukunft braucht. Heidi Berl ist überzeugt: Tools, Plattformen und Daten werden wichtiger – aber der menschliche Teil bleibt zentral.
Sie beschreibt ihren Alltag als Funnel: viele Kontakte, einige vertiefte Gespräche, am Ende wenige sehr gut passende Profile, die sie Unternehmen vorstellt. In ihren Kandidatenprofilen versucht sie, Menschen „multidimensional“ zu beschreiben – nicht nur Skills, sondern auch Wirkung im Gespräch, Erwartungen und Rahmenbedingungen.
Mein Wunsch ist, dass Unternehmen und Mitarbeitende ehrlich miteinander sprechen – auf Augenhöhe. Dann wird vieles einfacher.“
Das ganze Gespräch können Sie gleich hier nachhören:
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