Frauen in Führung: Warum echte Verantwortung zählt, nicht die Statistik
In dieser Folge von 24 Geschichten spricht Sascha Ladurner mit Simona Neubauer-Gstrein, Mitgründerin, Geschäftsführerin und CEO des Wiener Biotech-Unternehmens LoopLab, über Frauen in echter operativer Führung, über strukturelle Hürden, die oft unsichtbar bleiben, und darüber, warum Teilzeit und Führungsverantwortung für sie kein Widerspruch sind.
Der Unterschied zwischen Aufsichtsrat und operativer Führung
Die EU-Richtlinie 2022/2381, besser bekannt als Women-on-Boards-Richtlinie gilt in Europa seit Juni 2026. Sie sollte ursprünglich auch für den Vorstand eine verbindliche Zielvorgabe bringen, wurde aber ausgerechnet von Österreich im Dezember 2025 im letzten Moment abgeschwächt. Übrig geblieben sind für den Vorstand nur Berichtspflichten – ohne Konsequenzen bei Nichterfüllung.
Wie groß die Kluft in der Praxis tatsächlich ist, zeigen die Zahlen aus dem aktuellen „AK Frauen.Management.Report.“. Im Aufsichtsrat liegt der Frauenanteil in Österreich mittlerweile bei knapp 29 Prozent, in der operativen Geschäftsführung dagegen nur bei 14,5 Prozent, bei börsennotierten Unternehmen sogar unter 13 Prozent. Für Simona Neubauer-Gstrein liegt der Grund vor allem im sogenannten Ähnlichkeitsprinzip und in der Care-Arbeit, die in Österreich nach wie vor überwiegend von Frauen übernommen wird. Gleichberechtigung zeigt sich für mich letztlich nicht auf dem Papier, sondern eben daran, wer am Tisch sitzt, wenn die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen werden.
Warum Pharma und Biotech einen Vorsprung haben
Ein Blick auf einzelne Branchen zeigt deutliche Unterschiede. Während die Industrie insgesamt nur auf rund 9 Prozent Frauenanteil in der Geschäftsführung kommt, liegen mehrere große Pharmaunternehmen bei knapp 50 Prozent. Simona Neubauer-Gstrein sieht darin einen strukturellen Vorteil, weil schon an den Universitäten viele Frauen in den Life Sciences studieren. Entscheidend sei aber, was danach passiert, ob Frauen im Unternehmen bleiben, gefördert werden und echte Entscheidungsbefugnis erhalten.
Gleichberechtigung zeigt sich letztlich nicht auf dem Papier, sondern daran, wer am Tisch sitzt, wenn die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen werden.“
Simona Neubauer-Gstrein
Bei LoopLab liegt der Frauenanteil bei rund 80 Prozent, ohne dass das eine bewusste Vorgabe gewesen wäre. Auf offene Positionen hätten sich schlicht überwiegend qualifizierte Frauen beworben.
Führung in Teilzeit: wie das bei LoopLab funktioniert
Ein zentraler Teil des Gesprächs dreht sich um Führung in Teilzeit, ein Modell, das in vielen Unternehmen als kaum vereinbar mit echter Verantwortung gilt. Bei LoopLab arbeiten mehrere Führungskräfte in Teilzeit, unterstützt durch ein flexibles Arbeitszeitmodell, feste wöchentliche Abstimmungstermine im Team und, wie Simona betont, vor allem durch Vertrauen.
Sie beobachtet dabei ein wiederkehrendes Muster: Mitarbeiterinnen, die aus der Karenz zurückkehren, würden oft mit besonders viel Energie und Gestaltungswillen zurückkommen. Diese Energie zu nutzen, sei aus ihrer Sicht wirtschaftlich sinnvoll, nicht nur ein soziales Anliegen.
Der häufigste Fehler in Unternehmen
Nach dem typischen Fehler gefragt, den Unternehmen bei ihren Diversitätszielen machen, antwortet Simona Neubauer-Gstrein ohne Umschweife. Viele Unternehmen würden zwar Ziele und Kennzahlen definieren und Mentoring-Programme starten, bei der nächsten Beförderung oder der Vergabe eines wichtigen Projekts aber wieder auf altbekannte Mechanismen zurückgreifen.
Frauen müssen auch passende Rahmenbedingungen bekommen. Sonst verändert man nur die Statistik und nicht die Kultur.“
Simona Neubauer-Gstrein
Auch beim Wachstum eines Unternehmens sieht sie eine Gefahr. Wenn es schnell gehen muss, greife man gerne auf bestehende Netzwerke zurück, wodurch schnell wieder eine homogene Struktur entstehen könne.
Drei Tipps, die du morgen schon umsetzen kannst
Wer morgen anfangen will, seine Krisenfestigkeit zu stärken sollte damit beginnen:
- Gebt Frauen echte Verantwortung, also Teams, Budgets und wichtige Projekte, nicht nur Positionen und Mentoring-Programme.
- Traut euch mehr zu, sowohl als Unternehmen bei der Auswahl als auch als Frau bei der eigenen Bewerbung.
- Baut starke Netzwerke auf, in denen Frauen sich gegenseitig sichtbar machen und Türen füreinander öffnen.
Zur Person
Simona Neubauer-Gstrein ist Mitgründerin, Geschäftsführerin und CEO des Wiener Biotech-Unternehmens LoopLab. Sie engagiert sich als Teil des Vorstands im Verein Women in Health IT, ist Alumna des österreichischen Führungskräfteprogramms Zukunft Frauen und Mitglied im Frauennetzwerk Club Alpha.
Websites:
LinkedIn:

Bewerben Sie sich als Gast im Podcast
Sie haben ein Thema über das Sie gerne einer breiten Öffentlichkeit erzählen wollen?
Dann erzählen Sie es doch in unserem Podcast!
Schicken Sie Ihre Kontaktdaten mit Ihrem Thema an office@quickdraw.at

