Vom Vermögensverlust zum Zukunftsarchitekten – Ali Eralp über Geld, Werte und Migration
Im Advent-Podcast „24 Tage, 24 Menschen, 24 Geschichten“ spricht Showhost Stephan Blahut mit Ali Eralp. Der in Istanbul geborene Finanzexperte ist Mitgründer der Finum, seit fast 30 Jahren in der Finanzberatung tätig, Integrationsbotschafter und Familienvater.
Im Gespräch geht es um Geld und Würde, faire Finanzberatung, Finanzbildung für junge Menschen und die Frage, warum Österreich Migration als Chance sehen muss.
Anhören können Sie das ganze Gespräch gleich hier:
Vom reichen Kind zum Anwalt fairer Finanzberatung
Stephan Blahut stellt Ali Eralp als jemanden vor, der beide Seiten von Wohlstand und Verlust kennt. Eralp wächst in Istanbul in einer sehr wohlhabenden Familie auf und erlebt als Kind, wie das Vermögen seiner Familie in kurzer Zeit verloren geht. Diese Erfahrung prägt seinen Blick auf Geld, Sicherheit und Verantwortung – und erklärt, warum er in Österreich so hartnäckig für faire, transparente Finanzberatung eintritt.
Ich kenne die Strecke zwischen sehr reich und sehr arm sehr gut – leider in die falsche Richtung.“
Mit 21 kommt er nach Österreich, arbeitet sich in der Finanzbranche hoch und gründet Mitte der 1990er-Jahre gemeinsam mit Partnern die Finum. Bis heute sind viele aus dem ursprünglichen Team an Bord. Für Eralp ist das kein Zufall, sondern Ergebnis einer Kultur, in der Probleme offen angesprochen werden und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Finanzberatung sieht er nicht als kurzfristigen Produktverkauf, sondern als Begleitung von Menschen und Familien über Jahrzehnte.
Finanzbildung und der Blick auf die eigene Zukunft
Im Gespräch mit Stephan Blahut macht Ali Eralp deutlich, wie groß die Lücke bei der Finanzbildung ist. In der Schule komme das Thema meist nur am Rand vor, dabei müssten junge Menschen früh lernen, wie Budget, Vorsorge und Veranlagung funktionieren. Heute informieren sich viele über Social Media und YouTube – oft ohne zu prüfen, ob die Inhalte zu ihrer Lebensrealität passen.

Viele schauen ein paar Videos und glauben dann, sie kennen sich aus. Die Ganzheitlichkeit der Finanzen ist viel schwieriger, als man denkt.“
Eralp rät jungen Menschen, zuerst die eigene Risikobereitschaft zu klären: Wie gehe ich mit Verlusten um? Wie lange kann ich Geld veranlagt lassen? Ab wann werde ich nervös? Erst dann sollte es um Produkte, Strategien und konkrete Beträge gehen.
Finanzberaterinnen und Finanzberater versteht er als „Zukunftsarchitekten“: Sie können helfen, Ziele zu ordnen, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und emotionale Kurzschlusshandlungen in Krisen zu verhindern. Gleichzeitig betont er, dass die Branche mehr Nachwuchs braucht – nach den Finanzskandalen der 2000er-Jahre sei der Beruf unattraktiver geworden, jetzt steige das Interesse langsam wieder.
Migration als Chance – für Menschen und für Österreich
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist Alis Rolle als Integrationsbotschafter. Stephan Blahut interessiert, wie er Österreich aus der Perspektive eines jungen Zuwanderers erlebt hat. Eralp kam mit guter Ausbildung, aber ohne genaue Kenntnis des Systems nach Wien. Entscheidend waren einzelne Menschen, die ihm damals Türen geöffnet haben – im Studium, im Beruf, im privaten Umfeld.
Aus dieser Erfahrung leitet er sein Engagement ab: Er will jungen Menschen mit Migrationsgeschichte Mut machen, sich in Österreich zu verankern – mit Ausbildung, Arbeit und gesellschaftlicher Beteiligung. Gleichzeitig warnt er davor, Migration nur als Problemrahmen zu sehen. Angesichts einer alternden Bevölkerung und eines wachsenden Fachkräftemangels sei qualifizierte Zuwanderung eine zentrale Zukunftsfrage für das Land.

Wir brauchen Migration, wir brauchen gute Migration. Und wir verlieren zu viele dieser Perlen, weil andere Länder sie aktiver ansprechen.“
Unternehmen empfiehlt er, Bewerberinnen und Bewerbern mit Migrationshintergrund bewusst Chancen zu geben. Viele seien besonders motiviert, wollten zeigen, dass sie nicht „weniger wert“ sind, und brächten zusätzliche Perspektiven mit – sprachlich, kulturell und durch ihren Lebensweg. Teams, die vielfältiger werden, verstehen aus seiner Sicht auch ihre Kundschaft besser.
Am Ende bittet Stephan Blahut seinen Gast um eine Botschaft, die er auf ein großes Plakat am Stephansplatz schreiben würde. Ali Eralp entscheidet sich für einen einfachen Satz, der seine Haltung zusammenfasst:
„Die Zukunft ist bunt.“
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Der Song zum Podcast ist „Extreme Ways“ von Moby
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