Gerald Moser

Neue Podcastfolge 24 Geschichten mit Gerald Moser

Robust statt resilient: Was Unternehmer wirklich brauchen, bevor die Krise kommt

6.810 Unternehmen haben in Österreich im Jahr 2025 Insolvenz angemeldet. Knapp 19 Firmenpleiten pro Tag. Und die meisten davon hat niemand kommen sehen, zumindest nicht die Betroffenen selbst. Nicht weil sie nachlässig gewesen wären oder schlechte Produkte gehabt hätten. Sondern weil sie geglaubt haben, der bisherige Erfolg schütze sie. Tut er aber nicht.

Gerald Moser, Unternehmensberater, Coach und Autor des Buches „Robust!“, war selbst in genau dieser Situation. Zwölf Jahre lang hat er ein Unternehmen aufgebaut, das als Vorzeigeprojekt galt. Dann hat ein zu großes Projekt alles zum Einsturz gebracht. In dieser Folge von 24 Geschichten spricht er mit Sascha Ladurner darüber, was er daraus gelernt hat und warum Robustheit ein anderes Ziel ist als Resilienz.

Warum Resilienz das falsche Ziel ist

Resilienz ist in aller Munde. In Führungskräftetrainings, in Unternehmensberichten, in Ratgeberartikeln. Gerald Moser hat ein grundlegendes Problem damit, und das formuliert er klar:

Resilienz löst das Problem nicht. Weil wenn man resilient sein muss, ist es schon zu spät. Denn was ist die eigentliche Definition von Resilienz: das Wiederaufstehen NACH einem traumatischen Erlebnis.“

Gerald Moser

Der resiliente Boxer geht zu Boden und steht wieder auf. Der robuste Boxer geht gar nicht erst zu Boden. Im Unternehmenskontext bedeutet das: Reserven aufbauen, Prozesse in Ordnung bringen, stille Ressourcen kennen, externe Perspektiven aktiv einholen, bevor die Krise da ist, nicht danach.

Die Schutzillusion des Erfolgs

Einer der zentralen Punkte im Gespräch ist die schleichende Sicherheit, die sich mit anhaltendem Erfolg aufbaut. Moser beschreibt, wie das Jahresgespräch mit der Bank irgendwann nicht mehr wie eine Mathematikmatura wirkt, sondern wie ein entspanntes Business-Breakfast, und wie genau das der Moment ist, in dem die Wachsamkeit nachlässt.

Erfolg schreibt man sich in aller Regel selbst zu. Misserfolg ist dann meistens Pech. Was dabei übersehen wird: Erfolg ist immer kontextabhängig. Vor Corona war es für viele Unternehmen schlicht einfacher, erfolgreich zu sein, weil die Rahmenbedingungen es erlaubt haben. Wer damals gut verdient hat, hat nicht unbedingt alles richtig gemacht, er hatte auch Glück mit dem Kontext.

Stille Reserven: Was die meisten vergessen

Wenn es um Reserven geht, denken die meisten sofort an Geld. Eigenkapital, Liquiditätspuffer, Kreditrahmen. Das ist nicht falsch, aber es ist nur ein Teil des Bildes. Moser spricht im Gespräch ausführlich über das, was er stille Reserven nennt: Wissen aus gescheiterten Projekten, Kontakte zu früheren Kunden und Lieferanten, Mitarbeiter mit unerwarteten Fähigkeiten aus anderen Kontexten.

Sich mal hinzusetzen und zusammen zu schreiben, was eigentlich an versteckten Ressourcen da ist, hilft dann oft in schwierigen Situationen.“

Gerald Moser
Snapshot der Neue Podcastfolge 24 Geschichten mit Gerald Moser

Wer diese Ressourcen nicht kennt, kann in der Krise nicht auf sie zurückgreifen. Eine einfache Inventur, was im Unternehmen an Wissen, Kontakten und Fähigkeiten vorhanden ist, kann dabei mehr bringen als manches Strategieprojekt.

Schritt für Schritt, auch als Kleinstunternehmer

92 Prozent der österreichischen Unternehmen sind Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden. Menschen, die täglich im operativen Geschäft stecken und kaum Zeit für strategisches Denken haben. Moser räumt ein, dass das ein echtes Problem ist, gibt aber eine klare Antwort: Man muss nicht alles auf einmal lösen.

Einen Haken einschlagen, ein Thema hernehmen, eine Lösung entwickeln. Er erzählt im Gespräch von einem deutschen Handwerker, der 80 Stunden pro Woche gearbeitet hat, bis seine Frau ultimativ ein Urlaubsversprechen eingefordert hat. Im Urlaub hat er zum ersten Mal wirklich hingeschaut, warum sein Telefon ständig läutet. Die Antwort war einfach: schlecht kommunizierte Abläufe, fehlende Checklisten, lösbare Probleme. Und genau damit hat er angefangen.

Die 3 Tipps von Gerald Moser

Am Ende jeder Folge 24 Geschichten gibt es drei kurze Tipps, die sofort umsetzbar sind. Gerald Moser drei konkrete Empfehlungen, die jeder Unternehmer sofort angehen kann:

  1. Externe Perspektive holen. Das muss kein Berater sein. Ein befreundeter Unternehmer, jemand ohne eigene Stakes in der Sache, jemand der einfach blöde Fragen stellen kann.
  2. Zahlen kennen. Wer seine Zahlen nicht kennt, kennt sein Geschäft nicht. Der Monatsbericht vom Steuerberater mit sechs Wochen Verspätung reicht nicht.
  3. Nicht alles gleichzeitig lösen. Einen Schmerzpunkt nach dem anderen angehen, Schritt für Schritt.

Zur Person

Gerald Moser ist Unternehmensberater, Coach und Buchautor aus Wien. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck und einem MBA in Kanada hat er mehrere Jahre in Führungspositionen in Großunternehmen gearbeitet, bevor er ein eigenes Unternehmen per Management-Buyout übernommen und zwölf Jahre lang geführt hat. Nach dem Konkurs dieses Unternehmens begleitet er heute Eigentümer kleiner und mittlerer Betriebe in unternehmerisch schwierigen Situationen. Sein Buch „Robust! Wie Sie als Unternehmer unberechenbare Zeiten erfolgreich meistern“ ist im Wiley-Verlag erschienen.

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LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/gerald-moser-51672812/

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