Lebensmittel retten, Armut lindern – wie Die Tafel Österreich zwei Krisen verbindet
Im Podcast „24 Tage, 24 Menschen, 24 Geschichten“ spricht Showhost Sascha Ladurner mit Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Tafel Österreich. Es geht darum, warum Lebensmittel im Müll landen, während Menschen auf Mahlzeiten verzichten müssen. Die gesamte Folge kann nach dieser Einleitung im eingebetteten Player angehört werden.
Die gesamte Folgekönnen Sie gleich hier anhören:
Wer Alexandra Gruber ist – und was Die Tafel Österreich tut
Sascha Ladurner stellt Alexandra Gruber als Quereinsteigerin vor: Pharmazeutin, die vor rund 15 Jahren ehrenamtlich bei der Tafel Österreich begann und seit gut zehn Jahren die Organisation hauptberuflich führt.
Die Tafel Österreich ist die älteste Tafelorganisation des Landes. Sie versorgt armutsbetroffene Menschen in sozialen Einrichtungen mit geretteten Lebensmitteln – etwa in Mutter-Kind-Häusern, Frauenhäusern, Obdachlosen- und Asylheimen. In Österreich leben über 420.000 Menschen in schwerer Ernährungsarmut; insgesamt sind rund 1,1 Millionen von Ernährungsarmut betroffen.
Wir sehen Menschen, deren Kühlschrank leer ist, die Mahlzeiten auslassen müssen oder sich entscheiden müssen zwischen Heizen oder Essen.“

Ein Drittel im Müll – und wo die Tafel ansetzt
Im Gespräch mit Sascha Ladurner spricht Alexandra Gruber von einem „Paradox von der Sonderklasse“: Weltweit wird rund ein Drittel der Lebensmittel weggeworfen. In Österreich fallen pro Jahr eine Million Tonnen Lebensmittelabfälle an – die Hälfte in Haushalten, die andere Hälfte entlang der Kette von Landwirtschaft, Produktion, Handel und Gemeinschaftsverpflegung.
Gleichzeitig zeigt die Erfahrung der Tafel: Menschen mit wenig Geld achten besonders darauf, nichts wegzuwerfen. Viele verlassen sich zu sehr auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und vergessen ihre Sinne. Die Tafel geht deshalb in Schulen und Einrichtungen, arbeitet mit einem „Sensoriklabor“ und zeigt in Workshops, wie man Lebensmittel richtig beurteilt und Reste verwertet.

Hunger ist kein Food-Thema, es ist ein Logistik-Thema: Es gibt genug Lebensmittel, die Frage ist, wie wir sie dorthin bringen, wo sie gebraucht werden.“
Die tägliche Arbeit setzt genau dort an: Die Tafel holt überschüssige, aber einwandfreie Ware aus Supermärkten, später auch direkt aus Produktion und Landwirtschaft – von krummen Karotten bis zu nicht abgerufenen Chargen. Diese Lebensmittel werden sortiert und an Einrichtungen ausgeliefert.
Ehrenamt, Spenden und der Hebel jedes Euros
Eine zentrale Rolle spielt das Ehrenamt. Alle Liefertouren werden von Freiwilligen gefahren, am Großmarkt Wien sortieren Teams Obst und Gemüse. Unternehmen können im Rahmen von Corporate Volunteering mitanpacken – als Fahrerinnen oder beim Sortieren.
Finanziert wird die Arbeit durch Warenspenden, Geldspenden und einzelne Förderprojekte. Gleichzeitig sind Kosten für Personal, Energie und Miete gestiegen, während der Spendenmarkt zuletzt stagniert. Um Krisen zu überstehen, hält die Tafel eine Reserve für Monatsausgaben vor und prüft laufend, wo jeder Euro die größte Wirkung erzielt.
Wir rechnen damit, dass wir mit einem Euro rund fünf Mahlzeiten ermöglichen können – weil Ware gespendet wird und so viel ehrenamtliche Arbeit dahintersteht.“
Am Ende wünscht sich Alexandra Gruber im Gespräch mit Sascha Ladurner, dass ökologische und soziale Nachhaltigkeit zusammengedacht werden: weniger Lebensmittelverschwendung, weniger Armut und eine Gesellschaft, die bei diesen Themen gemeinsam an einer Trendumkehr arbeitet.
Das ganze Gespräch können Sie gleich hier nachhören:
Weiterführende Links zum Thema:
Websites:
- https://tafel-oesterreich.at/allianz/
- https://tafel-oesterreich.at/firmenspende/
- https://tafel-oesterreich.at/corporate-social-volunteering-csv/
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Musik: Wonderful Dream, Melanie Thornton
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Der Podcast wird produziert von der Agentur Quickdraw Podcasts
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Diese Podcastserie entsteht mit Unterstützung des ÖGV – Österreichischer Gewerbeverein
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